Der Triumphzug des Salzes im Rathaussaal
Wasserburg a. Inn

Die Vorlagen zu dieser Hauptszene, welche die Bedeutung des Salzes für den Wohlstand und die Entwicklung der Stadt darstellen soll, stammen aus dem Triumphzug Kaiser Maximilians I. (1516 - 1518) zu dem nach einem vom Kaiser selbst diktierten Programm Künstler wie Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmaier, Albrecht Dürer, Hans Springinklee u.a. insgesamt 147 Holzschnitte geschaffen haben. Gerade an dieser Szene wird die Kombinationstechnik Maximilians von Mann besonders deutlich: die Vorlagen zu den Pfeifern und Trommlern stammen von Hans Burgkmaier, der Wagen ist aus Holzschnitten Albrecht Dürers und Hans Springinklees (Dürers Mitarbeiter) zusammengesetzt. Der Vorausreiter enthält Elemente aus drei verschiedenen Vorlagen.

Die Pfeifer sind originalgetreu übernommen. Der Vorreiter ist eine Kombination aus mehreren Figuren: Pferd, Fußhaltung, Beinkleidung, Köcher für die Pfeifen sowie Stange entsprechen dem Zugteilnehmer Anthonius von Dornstätt - Rock und Kranz der Stange sind dem Marschall Eberpach entlehnt. Oberkörper samt Kleidung und Kopfhaltung entsprechen dem Gestechmeister Wolfgang von Polhaim. Das dreigliedrige Schriftband ist einer weiteren Szene des Hochzeitszuges entnommen.

Triumphwagen des Salzes: Der Wagenaufbau mit Baldachin, gehalten von fackeltragenden Putten, und Ziervase entspricht dem Hochzeitswagen Kaiser Maximilians mit der Erbin von Burgund. Verändert sind die Seitenverkleidungen, Wagenlenker und Gespann fehlen.

Der schiebende Zugbegleiter ist durch drei aufgezäumte Hirsche mit ihrem Führer ersetzt, entnommen aus dem Hochzeitswagen König Philipps, des Sohnes von Maximilian, mit der Erbin von Spanien. Desgleichen stammt der auf dem Lakaisitz mitfahrende Träger des Salzspruches aus dieser Szene.

Der oft zitierte Wasserburger Salzspruch:
"Wie wär es schlecht um uns bestellt
Wen es kein saltz gäb auff der welt
Vom kaiser bis zum bettelmann
Keiner das saltz entbehren kann
Der bürger bauer und soldat
Das saltz ain jeder nöthig hat
Wie schmökt die speiss fleisch oder fisch
Wan ist darzu kein saltz am tisch?
Der beckh backt ohne saltz kein brot
Ohn saltz wir muessten leiden not
Gott gibt uns auch mit gütiger hand
Eion körnlein saltz in den verstand"


Zwischen Pfeifern und Trommlern reitet ein Stangenträger mit dem Spruch:
"Vierhundert jahr schon dauert ich,
verjüng nun als Phoenix mich,
zu künden jetzt und allezeit
der Väter Kunst und Herrlichkeit",
während ein Zwischenstück das Schicksal des Gebäudes wiedergibt:
"Das rathaus zu Wasserburg
erbaut 1453 (!) durch feuer zer-
stört 1874 renov.
mit bildern geschmückt 1903 – 05".

Triumphzug des Salzes


Die Spitze des Zuges bildet der Fahnenschwenker mit der Fahne in den Stadtfarben rot-weiß. Das große Wappen Kaiser Ludwigs d. Bayern, das in den Fängen das bayerische und das Wasserburger Wappen hält, schließt den Zyklus über der Türe ab.

(aus "Beitrag zur Baugeschichte des Wasserburger Rathauses" von Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan M.A. - 1993 / 95)